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Mädelstrip nach Dublin - Von Enttäuschung und einem Happy End in Howth

Gleich vorweg: Wer sich, wie ich, Dublin als wildromantische, irische Stadt mit kleinen Gassen und Backsteinhäusern, irischer Musik an jeder Ecke und kleinen grünen Kobolden vorstellt, dem sei gesagt: MÖP. Dublin ist eine ganz einfache Arbeiter-Großstadt. Mit allen Ecken und Kanten, die so eine Stadt nunmal hat. 😏



Im Juni verschlägt es also meine Kollegin Sarah und mich auf ein Mädels-Wochenende nach Dublin. Wir haben beide die Stadt noch nicht live gesehen und Irland ist ja schließlich toll. Also kann Dublin als Hauptstadt doch nur großartig sein. Der Brückentag im Juni ist fix reserviert, die Flüge über Aer Lingus günstig und AirBnB hat auch ein recht günstiges und zentrales Zimmer für uns. Perfekt. Tasche packen, ab gehts. 
Wir kommen am Abend an und stellen auf dem Weg (und auf der Suche) zu unserem Appartement fest, wie freundlich und hilfsbereit die Menschen hier doch sind. Ein fragender Blick aus dem Busfenster und schon werden wir gefragt, ob wir Hilfe benötigen. Gelungene Ankunft, würde ich mal sagen!  
Der erste Morgen in Dublin wird dann auch direkt mit einem typisch irischen Frühstück in einem kleinen Laden um die Ecke eingeläutet. Ich liebe das ja. 😍 Somit sind wir für den kommenden Tag hervorragend gestärkt.

 

Wir sind ja so Touri... Sightseeing par excellence

Trinity College

Unsere Reise führt uns über die laute und mit Baustellen gesäumte O'Connell Street Richtung Temple Bar, jedoch biegen wir vorher ab und wollen uns das Trinity College anschauen. Nach dem ersten Schock, wie dreckig und voll die Stadt doch ist, können wir hier erstmal ein wenig abschalten und das Flair des Campus genießen. Hier lässt es sich gut aushalten. 
  
➽ Das Trinity College wurde 1592 gegründet und nach dem Vorbild von z.B. Oxford errichtet. Die Universität ist sehr hoch angesiedelt und ist für das Book of Kells berühmt, welches hier in der Bibliothek ausgestellt ist. Eine Führung kostet 14€ p.P. und findet zu festen Zeiten statt, welche auf der Homepage nachgelesen werden können sowie auch vor Ort ausgeschrieben sind.


 

 

Dublin Castle


Auf unserer Karte lesen wir "Dublin Castle". Schlösser sind immer gut, also los. Aber auf die Euphorie folgt schnell die Enttäuschung. Lediglich ein kleiner Trakt der ehemaligen Festung ist übrig geblieben und erinnert tatsächlich an ein Castle. Der Rest der Gebäude stammt aus dem 18. und 19. Jahrhundert, wurde bunt bemalt und wirkt sehr befremdlich. Der Park hinter dem Schloss ist nett angelegt, eine Schulklasse erhält hier gerade (Geschichts-?) Unterricht und genießt das trockene Wetter. Trotzdem hält uns hier nicht viel und wir ziehen weiter. 

➽ Das Schloss wurde 1204 eröffnet. Vorher befand sich hier eine große Festung. Touren kann man hier geführt oder auf eigene Faust unternehmen. Die Kosten dafür liegen bei 10 bzw. 7 € p.P.. Das Schloss hat täglich von 09:45 - 17:45 Uhr geöffnet.

 

St. Patrick's Cathedral 


Unser nächster Stop überrascht uns positiv. So haben wir uns Irland doch vorgestellt. Alte Kirchen, die zu einer kleinen Besichtigung einladen. Der Eintritt ist schnell bezahlt, da sich die Schlange sehr in Grenzen hält, ja fast nicht vorhanden ist. Im Inneren befinden sich diverse Grabmäler, einige interaktive Dinge, mit denen der Kirchenbesuch gar nicht so langweilig ist, wie in manch anderer Kirche, sogar einen Fernseher gibt es, der über die Kirche erzählt. Sehr modern, wie ich finde. Im westlichen Bereich der Kirche befindet sich eine kleine Souvenir-Ecke und die Toiletten. Beides wird von uns ausgiebig inspiziert (die Souvenir-Ecke dabei aber mehr als alles andere 😅). 

➽ Die St. Patrick's Cathedral wurde 1191 von einer kleinen Holzkapelle zu einer Kathedrale umgebaut. In Dublin gibt es zwei Kathedralen der Church of Ireland. St. Patrick's ist die größere. Der Eintritt kostet 6€, die Öffnungszeiten sind Mo-Fr 09:30 - 17:00 Uhr, Sa 09:00 - 18:00 Uhr und So 9:00 - 10:30, 12:30 - 14:30 und 16:30 - 18:00 Uhr.



 

Halfpenny Bridge 


Die Ha'penny Bridge ist eine Fußgängerbrücke, die den Fluss Liffey überquert. Ihren Namen hat sie dem Fakt zu verdanken, dass früher eine Maut in Höhe eines halben Pennys dafür erhoben wurde, dass man vom Stadtteil Temple Bar zum Bachelor's Walk (oder zurück) über die Brücke passieren durfte. Seit 1919 ist die Brücke mautfrei.

 

The Spire 


Noch sehr jung, aber dafür schon ziemlich groß ist The Spire (auch: Monument of Light). Seit gerade mal 2003 steht dieses Edelstahl-Konstrukt auf der O'Connell Street und bietet den Leuten einen guten Treffpunkt, um in den Abend zu starten. Denn selbst im Dunklen ist der "Turm des Lichts" nicht zu übersehen. Am Ende der knapp 122 m hohen Säule thront ein Licht, was schon von weitem sichtbar ist. Der Durchmesser an der Spitze beträgt übrigens nur 15 cm, am Fuß 3m.


Must see: Temple Bar und Guinness 


Um in den irischen Genuss der kleinen kopfsteingepflasterten Gassen, Backsteinhäuser und Musik zu kommen, muss man Temple Bar besuchen - der Stadtteil, in dem auch die berühmte gleichnamige Bar ansässig ist. Höchstwahrscheinlich ist das auch der Grund, warum hier 24/7 unfassbar viele Menschen unterwegs sind. Darauf sollte man sich natürlich einstellen und vor allem einlassen. 


Wir gönnen uns zunächst das ein oder andere Bier und prosten dem Musiker auf der kleinen Bühne fröhlich zu, bevor wir wieder lauthals mit den anderen Gästen in den Chorus einsteigen. Ja, so haben wir uns das vorgestellt. Zum ersten Mal haben wir das Gefühl, uns richtig wohlzufühlen. Auf unserem Streifzug durch Temple Bar lockt uns der nächste Pub, Oliver St. John Gogarty, wieder mit Gitarren und Violinenklängen hinein. Auch hier lauschen wir eine Weile, beobachten völlig betrunkene Menschen dabei, wie sie Tische umreißen (es ist da gerade mal 3 Uhr oder so), lachen mit allen anderen Gästen, als die Musiker den Herren auffordern, sich für das umgestoßene Bier zu entschuldigen und ziehen dann wieder weiter. Einen dritten Pub verlassen wir wieder recht zügig - die gute Musik konnte hier den vorherrschenden Klogeruch leider nicht wett machen. 
Im The Shack (direkt gegenüber von der Temple Bar) gibt es dann erst einmal eine kleine Stärkung.



Eine weitere Attraktion, für die Dublin berühmt ist und die zum Must-See gehört, ist das Guinness Storehouse. Hier wird die Geschichte des Bieres erzählt, für was Irland international bekannt ist. Im Dachgeschoss befindet sich eine Bar, in der man ein frisches Bier genießen kann, welches im Eintrittspreis enthalten ist. Noch dazu hat man von hier einen 360°-Blick auf Dublin. Aufgrund des hohen Eintrittspreises haben wir allerdings auf die Guinness-Experience verzichtet.

➽ Das Gebäude wurde 1904 fertiggestellt und dient heutzutage als Museum und Tagungsort. Der Eintritt für eine Führung kostet um die 20€. Geöffnet ist täglich von 09:30 - 19 Uhr. Die Bar im Dachgeschoss gilt als Geheimtipp, wenn man einen Blick über die Dächer Dublins werfen möchte. 




Grüne Auszeit


Nachdem wir beschließen, dem Kilmainham Gaol, einem ehemaligen Gefängnis, einen Besuch abzustatten, die Wartezeit bis zur nächsten Führung allerdings noch über 2h ist, brechen wir unsere Sightseeing-Pläne ab und suchen nach einer kleinen Auszeit. Direkt gegenüber vom Gefängnis befindet sich das IMMA, das Irish Museum of Modern Art. Allein der Weg zu dem Gebäude lässt uns durchatmen. Eine lange Allee führt uns zum Museum.


Wir schauen uns im Innenhof ein wenig um und genießen, dass hier außer uns nur 3 andere Menschen sind.


Neben dem Gebäude befindet sich außerdem eine wunderschöne Gartenanlage und ein kleiner Park. Auch hier genießen wir die Ruhe, das Plätschern des Brunnens, das Grün und die Sonne.

 


Da uns diese Auszeit gut tut, soll es nun weiter gehen zum Phoenix Park. Auf dem Weg dorthin kommen wir am Irish War National Memorial Park vorbei - okay, zugegeben, "vorbeikommen" ist etwas großzügig ausgedrückt. Von der Straße läuft man ein kleines Stück, was sich nach den vielen gesammelten km inzwischen nach viel mehr anfühlt, als es eigentlich ist. Aber der Park ist schön und es lohnt sich, den Abstecher zu machen.


Im Phoenix Park werden wir vom Wellington Monument in Empfang genommen. Der 62m hohe Obelisk wurde 1817 erbaut und wird gerne als Treffpunkt genutzt. Die umliegenden Wiesen bieten sich anscheinend hervorragend an für ein Spiel unter Jugendlichen, was wir einfach nicht verstehen. Es hat viel mit Rennen, Bällen hinterherlaufen und Fangen zu tun - scheint jedenfalls Spaß zu machen 😄


Am Teehaus kann ich nur schwer vorbeigehen und überrede meine Freundin, uns hier für eine Stärkung niederzulassen. Nach Tee und Sandwich geht es weiter in den Park hinein. Das Wetter wird jedoch immer trister. Wir setzen uns auf einen kleinen Wall und beobachten eine Weile die Spieler vom Cricketverein beim Training. Nachdem ich durch den inzwischen recht kühlen Wind aus meinem Nickerchen geholt werde machen wir uns auf den Heimweg. Den Zoo lassen wir aus, ebenso den weiteren Weg in den doch sehr großen Park hinein - wir sind einfach zuviel gelaufen heute. 

Alles in allem tat uns die grüne Auszeit jedoch sehr gut und am Abend fallen wir glücklich in unser AirBnB-Bett.

Überraschungskandidat: Howth

Da wir nun genug von der Stadt (gesehen) haben und am liebsten jetzt schon nach Hause möchten, kommt uns die Einladung von meinem alten Schulfreund Torsten sehr recht. Er wohnt seit ein paar Jahren in Dublin, mag die Natur auch sehr gern und kennt sich daher entsprechend gut aus, wenn es darum geht, der Großstadt zu entfliehen. So treffen wir uns mit ihm bei bestem Wetter am Spire und laufen zum Zug (genannt DART), der uns nach Howth bringen soll. Nach etwa 30min Fahrt steigen wir mit vielen anderen Menschen aus dem Zug und erfahren, dass das kleine Fischerdörfchen quasi DAS Ausflugsziel der Dubliners für ein Schön-Wetter-Wochenende ist.
Es ist einfach herrlich hier. Küste, Meer, Robben, Möwen, kleine Fischkutter. Ich bin im irischen Paradies. 💚 Genau SO haben wir es uns vorgestellt. Und plötzlich haben wir es gar nicht mehr so eilig, hier wieder wegzukommen. Im Gegenteil. Hier wollen wir bleiben.




➽ Howth liegt östlich von Dublin auf der Halbinsel Howth Head und hat ca. 8.200 Einwohner. Zu erreichen ist die Stadt mit dem DART. Von hier starten Touristenboote auf eine vorgelagerte Insel, die als Vogelschutzgebiet ausgewiesen ist, oder man kann den Howth Cliff Walk erwandern.


Der Howth Cliff Walk klingt ganz nach unserem Geschmack und so brechen wir in die Richtung auf. Man hat superschöne Ausblicke auf das Meer, teilweise geht es neben uns steil nach unten, die Wege sind aber gut zu laufen. Hin und wieder treffen wir auf Wandergruppen, vom Rest der vielen Menschen aus dem Zug ist aber nicht mehr viel zu sehen.
Überall blühen Farne und Blumen. Die Sonne brennt vom Himmel. Es ist einfach ein wundervoller Abschluss für diesen Kurzurlaub, wie er besser nicht hätte sein können. 



 Nachdem wir noch einen letzten Blick auf das Baily Lighthouse erhaschen, wandern wir zurück nach Howth. Wir passieren das Summit Inn und folgen nun dem Old Tram Track, einer alten Bahnlinie, die inzwischen nur noch ein gut angelegter Weg ist, nach unten Richtung Howth.


Von weitem schon hören wir Dudelsack-Klänge. Eine kleine Gruppe macht gerade eine Übungseinheit auf einem Parkplatz. Ja, hier ist Irland. Wir hören ihnen ewig zu bis uns der Hunger nun doch weiter zwingt. Wieder im Hafen angekommen suchen wir uns ein Plätzchen in einem der zahlreichen Restaurants. Die Wahl fällt auf das Octopussy's. Um das Irland-Gefühl zu vollenden bestellen wir Seafood-Chowder, eine Art Fischsuppe und noch dazu soll es die beste der Stadt sein. Und ich muss sagen, sie schmeckt unglaublich gut. Gesättigt geht es wieder mit dem DART zurück in die Stadt.


 Fazit


 Die romantische Vorstellung, woher auch immer sie kommen mag, hat sich leider so gar nicht bestätigt. Dublin ist eine dreckige und laute Großstadt voller Menschen. Das hätte man sich eben auch vorher denken können. Durch die falschen Erwartungen war die Enttäuschung dementsprechend hoch. Die Sehenswürdigkeiten an sich sind in Dublin (bis auf Dublin Castle) wirklich schön. Hier und da hat man immer wieder den alten Einschlag, alte Kirchen und Gebäude. Der Weg dahin war nur eben nicht immer schön. Am Ende gab es dann aber in Howth das große Happy End. So ein wunderschönes Fleckchen Erde, da wundert es nicht, dass die Dubliner hier ihre Zeit am Wochenende verbringen.
Fest steht jedoch: Ich werde nach Dublin zurück kehren, dann aber nur, um weiter ins Land zu reisen.
Wer sich jedoch auf den typischen Großstadtcharakter einstellt, wird sicher nicht so enttäuscht sein, wie wir. 

Pro-Tipp:

Dublin Pass

Wer sich in Dublin möglichst viel anschauen möchte, sollte sich vorab den DublinPass besorgen. Diesen gibt es in verschiedenen Ausführungen, je nach Länge des Aufenthalts. Folgende Vorteile bietet der Pass:

  • kostenlose Hop-on-Hop-off-Tour
  • zu den Sehenswürdigkeiten, von denen viele ebenfalls kostenlos besucht werden können
  • zur Stärkung gibt es in diversen Lokalen Vergünstigungen
  • das ganze könnt ihr mit einem Reiseführer planen, der euch kostenlos zur Verfügung gestellt wird
  • Flughafentransfer (mit Aircoach) ist ebenfall kostenlos, aber ACHTUNG! Ich würde hier nur den Transfer für den Rückflug nutzen, wenn ihr bei der Anreise abends landet, da der DublinPass mit der ersten Nutzung anfängt gültig zu sein. D.h. reist ihr abends in Dublin an und nutzt den Pass für den Aircoach, ist der erste Tag bereits futsch, obwohl ihr noch nichts gesehen habt. Lieber 6 € für den Bus zahlen und dann am ersten richtigen Tag mit dem DublinPass starten.
Ich finde das Angebot wirklich attraktiv und würde es unbedingt empfehlen. Im Nachhinein ärgere ich mich, dass wir es nicht genutzt haben. 

    Nachtleben in Dublin

     Temple Bar sollte man möglichst nur tagsüber besuchen. Es ist dort genau wie am Abend, nur, dass es draußen hell ist und die Touristen sich lediglich halbtot treten. 😜
    Wer gerne das Nachtleben von Dublin sehen möchte, ohne dabei von Touristenmassen erschlagen zu werden, sollte Richtung Smithfield gehen. Dort gibt es z.B. den Cobblestone Pub, der sehr gut sein soll, sowie weitere Pubs und Lokalitäten. Wir waren zwar nicht dort, jedoch habe ich diesen Tipp aus einigen Ecken gehört und wollte es euch nicht vorenthalten.  😉


    Wer von euch war schonmal in Dublin? Wie habt ihr die Stadt erlebt? Erzählt mir gerne in den Kommentaren davon!

    An dieser Stelle außerdem ein dickes DANKE an Sarah, fürs Mitkommen und an Torsten, fürs Guide-spielen! 



    ..Käthe

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